Manuel Hermia Trio

Konzert #193
Donnerstag, 11. Februar 2016, 20 Uhr

Manuel Hermia – Alt-, Sopran-, Tenorsaxophon & Bansuri
Manolo Cabras – Kontrabass
Joāo Lobo – Schlagzeug

Die aktuelle moderne Jazzszene in Belgien ist hierzulande ein mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Kritiker und Vielhörer mögen den einen oder anderen Namen parat haben, aber selbst in der Reihe »Jazz live im Speicher«, in der über die Jahre Musikerinnen und Musiker aus fast ganz Europa, aus Asien, Nordamerika, Afrika und Australien zu Gast waren, war das westeuropäische Nachbarland bisher nicht vertreten. Zeit also, diese jazzmusikalische Leerstelle ein wenig zu füllen ...

Mit dem Manuel Hermia Trio kommt ein Ensemble nach Leer, das zu den reizvollsten und auffälligsten zählt, die Belgiens Jazz- und Improvisationsszene derzeit zu bieten hat. Alle Triomitglieder leben in der Metropole Brüssel. Tatsächlich Belgier ist allerdings nur der Bandchef selbst, Bassist Manolo Cabras hat einen italienischen, Drummer Joāo Lobo einen portugiesischen Pass.

Zwei Alben hat das Trio bislang veröffentlicht. Das zweite erschien 2015. Es trägt den zornig fragenden Titel »Austerity ... And What About Rage?«, was sich liest wie die Überschrift zu einem künstlerisch-politischen Manifest. Tatsächlich äußert sich Manuel Hermia in Texten oder im Interview immer wieder sehr politisch, als ein Künstler, der die Musik, die er macht, nicht als autonome Angelegenheit versteht. Ja, gerade auch rein instrumentaler Jazz könne eine Haltung zu Politik und Gesellschaft  ausdrücken, indem er musikalisch die Möglichkeit von Gleichheit und herrschaftsfreier Kommunikation postuliere.

Das, was Hermia und sein Trio machen, nennt er selbst ganz bewusst »libertäre Musik«. Bezüge zum Free Jazz alter Schule sind hörbar, mal schauen auch John Coltrane und Ornette Coleman vorbei, aber es sind eben nur Bezüge. Die teilweise freie, dann wieder sehr rhythmusbetonte oder auch zart tänzelnde Triomusik spielt im Hier und Jetzt. Beispielhaft dafür steht Hermias Komposition »The Color Under The Skin«, einer der schönsten Tracks des ersten Trioalbums »Long Tales And Short Stories« aus dem Jahr 2010.

Postskriptum: Zum instrumentalen Gepäck von Manuel Hermia gehört neben Alt-, Sopran- und Tenorsaxofon auch die Bansuri, eine nordindische Hirtenflöte. Es ist das erste Mal, das dieses in der Improvisationsmusik kaum benutzte Instrument in der Reihe »Jazz live im Speicher« auftaucht.

»The jazz that is called ›free‹ remains essential to me, like a breath of fresh air, a taste of freedom, a sincere salute to the only thing that truly exits: the present.«
Manuel Hermia