KUU!

Konzert #230 — Freitag, 13. September 2019, 20 Uhr

Jelena Kuljić - vocals
Kalle Kalima - guitar
Frank Möbus - guitar
Christian Lillinger - drums

Was war der Song des Jahres 2018? Vielleicht »Lampedusa Lullaby«, eingespielt vom Quartett KUU!, meint der Jazzkritiker Ulrich Steinmetzger. Der fast sechsminütige Song handelt von jener kleinen, fast täglich in den Nachrichten genannten Insel im Mittelmeer, die, so Steinmetzger, »längst zum Sinnbild des Geschäfts mit Schicksalen« geworden sei:

»Wie die Sängerin hier alle Register zieht - heiser, intensiv und suggestiv -, wenn sie vom menschlichen Cargo im nächtlichen Meer auf einem überfüllten Frachter singt und das alles mit einer Emotionalität auflädt, die ihresgleichen sucht, wenn sie zwischen Kraft und Betroffenheit changiert in umgarnender Melodiösität, dann ist das viel mehr als nur ein Song. Mit unwiderstehlicher Präsenz macht sie die Geschichte plausibel und sinnlich. Diese Sängerin hat dieses Mehr, diese Durchsetzungskraft, diese Integrität, die dem Unglaublichen Ausdruck verleihen kann.«

Die Sängerin, von der Ulrich Steinmetzger hier schwärmt und die im Übrigen auch als Schauspielerin arbeitet und zum Ensemble der Münchner Kammerspiele gehört, ist Jelena Kuljić, geboren in Serbien und seit 1993 in Deutschland lebend. In der Band KUU! hat sie zwei E-Gitarristen und einen Schlagzeuger um sich, ein Männertrio, das es in sich hat und ihre Vokalkunst kongenial unterstreicht und vorantreibt. Neben dem finnischen Wahlberliner Kalle Kalima sind das Frank Möbus und Christian Lillinger, was KUU! kurz gesagt zu einem Traumquartett macht.

KUU! (konsequent groß geschrieben und mit Ausrufezeichen) setzten 2018 mit dem Song und gleichnamigen Album »Lampedusa Lullaby« ein ambitioniertes Jazz-Rock-Statement, das lange nachhallt. Mit oft skurrilen, utopischen oder surrealen Texten führt die Band »tief hinab in dunkle Wirklichkeiten« - und mittendrin agiert Jelena Kuljić: »Dunkel und schrill seufzt sie und schreit, wie in Traum und Alptraum zugleich. Mit ihr wird KUU! tatsächlich zum Ereignis.« (Michael Laages, NDR Info).

»Das hat die Kraft, Relevanz und Sinnlichkeit von Kunst, die Beobachtungen aus unserer Gegenwart jenseits simpler Agitation verdichtet zu stimmigen Bildern«
Ulrich Steinmetzger