Biondini - Godard - Niggli

Konzert # 148

Donnerstag, 22. September 2011 um 20 Uhr im Kulturspeicher, Wilhelminengang

Luciano Biondini –  Akkordeon
Michel Godard –  Tuba, Serpent, E-Bass
Lucas Niggli –  Schlagzeug


»Wenn Luciano Biondini, Michel Godard und Lucas Niggli gemeinsam musizieren, verschwimmen die Grenzen von Alter und Neuer Musik, von imaginärer Folklore und jazzinspirierter Improvisation«, schreibt der Musikpublizist Bert Noglik zur ersten CD des Trios What Is There What Is Not. Sie ist im Frühjahr beim Züricher Label Intakt erschienen und enthält neun Stücke voller Poesie und Energie. Um die besondere Klangkunst des italienisch-französisch-schweizerischen Trios sprachlich zu fassen, wird augenzwinkernd auch schon mal Begriffsakrobatik betrieben: »Contemporary Mediterranean Alpine Chamber Music« hieß es etwa in der Ankündigung eines Konzerts der Band in Österreich.

Biondini, Godard und Niggli spielen mit der Entgrenzung von Zeit und Raum, von Stilen und Klangfarben. Von den gängigen Instrumentierungen eines Jazztrios ist nur noch das Schlagzeug übrig: Tuba und Akkordeon statt Kontrabass und Klavier (oder Saxophon). Jazzpuristisch wäre zu fragen: Geht das überhaupt – zumal das Trio sich auch nicht scheut, neben den Eigenkompositionen ein Adagio von Johann Sebastian Bach oder John Coltranes »Naima« zu spielen?

Für Schlagzeuger Lucas Niggli, der auch in der Hardcore-Kultband Steamboat Switzerland trommelt, passt eine solche Frage im Grunde nicht mehr in die Zeit: »Ich bin überzeugt, dass im Zusammenhang mit der ganzen Globalisierung und YouTubeisierung, wo alles jederzeit verfügbar ist, sich die Stile wirklich noch mehr verwischen«. Man sollte, so Niggli, »vielleicht weniger von Stilen reden ... als von einer Lebenshaltung oder von einer Einstellung der Musik gegenüber.«

Im Trio mit Diondini und Godard manifestiert sich diese offene Haltung auch gegenüber den eigenen Kompositionen: »Mit Michel und Luciano spielen wir ein Programm, das einen virtuosen und sehr leichtfüßigen Zugang zur Musik hat. Man darf nicht Sklave sein von dem, was auf dem Papier steht, sondern sollte das als Sprungbrett nehmen, um dann wirklich erst richtig abzuheben.«

Außerhalb des Alpenraums ist das Trio nur selten zu erleben. Das Konzert in Leer ist das zweite im Rahmen einer Kurztour. Weitere Spielorte sind Helsingborg und Koblenz.