Håkon Kornstad solo

Konzert #152

Montag, 20. Februar 2012, 20 Uhr

Håkon Kornstad - Tenorsaxophon, Flöte, Flutonette, Electronics

2012 wird "Jazz live im Speicher" 20 Jahre alt. Genau genommen zwar erst im November, aber was liegt näher, als dieses besondere Jahr mit einem besonderen Konzert zu eröffnen! Zugleich wird damit ein Bogen zu den beiden "skandinavischen Konzerten" Ende 2011 geschlagen. "Freewheelin' Scandinavia, Teil 3" könnte man das Eröffnungskonzert des Jubiläumsjahres 2012 also auch überschreiben.

Nach Colin Stetson 2010 steht mit dem Norweger Håkon Kornstad erst zum 2. Mal in fast 20 Jahren ein Jazzkünstler ganz alleine auf der Speicherbühne. Kornstad, geboren 1977 in Oslo, studierte Saxophon am Jazzkonservatorium in Trondheim. Abseits der seinerzeit in Norwegen verbreiteten ECM-Ästhetik ist es ihm in den 1990er Jahren gelungen, eine ganz eigene Stimme zu entwickeln. "Mit seinem warmen, kraftvollen, aber stets spirituell anmutenden Improvisationen auf dem Tenorsaxophon schließt er unmittelbar an John Coltrane an", schrieb der Musikpublizist Wolf Kampmann über ihn: "Auch wenn er auf alte Vorbilder zurückgreift, zeichnet sich sein Spiel stets durch Dringlichkeit und einen unmittelbaren Bezug auf aktuelle Befindlichkeiten aus."

Spätestens mit seinen Soloalben "Single Engine" (2007) und "Dwell Time" (2009) hat sich der Norweger endgültig in die erste Liga europäischer Saxophonisten gespielt. "Was für eine reife Ruhe, was für eine unbeflissene Schönheit, was für wundervolle Musik!", jubelte Autor Ulrich Steinmetzger: "Hatte Kornstad mit "Single Engine‹" einen sensationellen Reigen der Kabinettstücke vorgelegt, ist "Dwell Time"das Dokument eines souveränen Rückzugs in einen Kirchenraum. Powerplay war gestern, nun Einkehr, geradezu sakrale Stimmung, ein mildes und doch immer wieder überraschendes Voranschreiten voller schöner Augenblicke des Verweilens. Kornstad singt auf seinen Instrumenten, überbläst sie, bezieht die Klappengeräusche und andere perkussive Elemente ein, arbeitet mit Grazie und Gravität, dass es sich bis ins Hymnische emporschwingen kann."

Für Veranstalter von Jazzprogrammen sei Håkon Kornstad einfach ein Muss, meint Ulrich Steinmetzger. Wie sehr der Norweger inzwischen gefragt ist, zeigt sich daran, dass im Rahmen seiner Solotour im Februar für Leer nur noch ein Montagtermin frei war. Aber spielt das bei dieser großartigen Musik überhaupt eine Rolle?