Joe Morris Quartet

Konzert #192
Donnerstag, 10. Dezember 2015, 20 Uhr

Joe Morris - E-Gitarre
Mat Maneri - Viola
Chris Lightcap - Kontrabass
Gerald Cleaver - Schlagzeug

Joe Morris, geboren 1955 in New Haven, Connecticut, lernt zunächst Trompete. Als er damit beginnt, ist er zwölf. So richtig erwärmen kann er sich für das Instrument allerdings nicht. Die 1960er-Jahre gehen zu Ende. Rockmusik ist allgegenwärtig, die Gitarrensoli werden länger und länger und ein gewisser Jimi Hendrix macht das, was bis dahin nur im Jazz zu hören gewesen ist: Er improvisiert. Joe Morris legt mit vierzehn die Trompete zur Seite und greift zur E-Gitarre.

Anfangs spielt er Blues und Rock, was ihm mit der Zeit aber nicht mehr reicht. Freier Jazz wie etwa der von John Coltrane, Miles Davis oder Eric Dolphy weckt zunehmend sein Interesse und beflügelt ihn, seine Saitenkunst neu auszurichten. Hinzu kommt später der Einfluss des britischen Gitarreninnovators Derek Bailey (1930–2005).

Ob in eigenen Bands oder als Sideman – Joe Morris hat als Gitarrist und dann auch als Bassist mit fast allen gespielt, die sich im freien US-Jazz der letzten Jahrzehnte einen Namen gemacht haben, darunter William Parker, Borah Bergman, Ken Vandermark, Matthew Shipp, Andrea Parkins, Susie Ibarra, Hamid Drake, Wadada Leo Smith, Joe und Mat Maneri.

Eine besonders enge künstlerische Beziehung gibt es zwischen Morris und Letztgenanntem, dem Geiger und Bratschisten Mat Maneri. Eines ihrer Projekte ist das 1993 gemeinsam gegründete JOE MORRIS QUARTET. Dessen Bandgeschichte ist geprägt von Umbesetzungen und zwischenzeitlichem Aus. Mittlerweile haben Morris und Maneri mit Chris Lightcap und Gerald Cleaver an Bass und Schlagzeug das Quartett wiederbelebt und 2014 mit »Balance« ein sehnlich erwartetes neues Album vorgelegt. 

»My goal with this group in all of its configurations was to keep evolving the music and to never repeat myself«, schreibt Morris rück- und vorausblickend zu diesem Neustart und deutet damit an, warum er unter den großen Jazzgitarristen der Gegenwart immer noch zu den Unbekannten gehört. Seine Saitenkunst verweigert sich dem schnellen Weghören und Kategorisieren. Auf »Balance« spielt Morris herrlich referenzlos, ohne sofort identifizierbare Bezüge zu irgendwas und irgendwem. Der markante und sich wiederholende Riff fehlt ebenso wie die melodische und rhythmische Umarmung. Mit Maneri, Lightcap und Cleaver kreiert er ein Klangszenario, das tatsächlich für sich steht.