Noisy Minority

Konzert #203
Samstag, 21. Januar 2017, 20 Uhr

Omri Ziegele - alto sax
Jan Schlegel - electric bass
Dieter Ulrich - drums

Er spielte, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Wer den Altsaxofonisten Omri Ziegele 2009 im Kulturspeicher erlebt hat, wie er zusammen mit Irène Schweizer am Klavier und Makaya Ntshoko am Schlagzeug die in den 1960er-Jahren ins Exil getriebene Jazzmusik Südafrikas in die Gegenwart zurückholte, wird ihn nicht vergessen haben.

Ziegele, geboren 1959 in Israel, mit Frau und Kindern in Zürich lebend, ist ein begnadeter Improvisator. Er ist außerdem Komponist, Wortverehrer, Bandleader, Festivalorganisator und mehr. Außenstehende verlieren angesichts seiner zahlreichen Projekte und Aktivitäten schon mal den Überblick. Zu den Konstanten in diesem künstlerischen Füllhorn gehört das Trio Noisy Minority. Gegründet 1995, eine produktive Auszeit von 2003 bis 2006 mitgerechnet, gibt es die Band schon mehr als zwei Jahrzehnte. In dieser langen Zeit wurde viel getüftelt und gespielt, es gab Festivalauftritte und Tourneen, im April 2016 war das Trio sogar in Usbekistan unterwegs.

Tonträgerveröffentlichungen blieben dagegen die Ausnahme. Gerade mal zwei CDs hat das Schweizer Trio bis heute veröffentlicht, die zweite 2016 mit Ray Anderson als Gast an der Posaune. »Wir haben nie produziert um der Produktion willen«, sagt dazu Omri Ziegele: »Wo andere fünf CDs im Jahr aufnehmen, mögen wir es gemächlicher. Alles muss reifen, Musik lässt sich nicht vorwärts zwingen.«

Kein bisschen gemächlich mögen es Ziegele, Bassist Jan Schlegel und Schlagzeuger Dieter Ulrich, wenn sie die Bühne betreten. Dann ist sofort alles da, was Noisy Minority seit jeher auszeichnet: höchste Lust am Zusammenspiel, ungebremste Direktheit und ein extrem hoher emotionaler Gehalt. Die Neue Zürcher Zeitung hat die Musik des Trios als ein »energetisches Gemisch aus Free Jazz, Marschmusik und Post Punk« beschrieben, sie überzeuge dabei durch »dynamische Kontraste und dramatische Dichte«. Für Omri Ziegele ist es einfach lauter Jazz, der sich vom Ursprung zwar entfernt und viele Einflüsse in sich aufgesogen habe, »ohne jedoch die Herkunft des Uranstoßes zu verleugnen.« Jazz heiße, so Ziegele, »sich jede Sekunde überraschen zu lassen und furchtlos ins Ungesagte hinein zu steuern, jederzeit gewahr, dass man nur zusammen ins verheißene Land vorstoßen kann.«

»Mit Gegensätzen spielen, lyrisch und laut, eingängig und komplex, durchkomponiert und frei improvisiert – bei dieser Band fließt alles durcheinander, als ob nichts einfacher wäre.«
Schaffhauser Nachrichten