DEREK PLAYS ERIC

Konzert #226 — Donnerstag, 21. März 2019, 20 Uhr

Andreas Willers - guitar, voice
Jan Roder - double bass, electric bass
Christian Marien - drums

Wenn Jazzmusiker ein Gitarrentrio gründen, konventionell besetzt mit Gitarre, Bass und Schlagzeug, und sich Derek plays Eric nennen, liegen noch vor dem ersten gehörten Ton die musikalischen Bezüge klar auf der Hand. Derek? Genau: Gemeint ist der 2005 verstorbene britische Musiker Derek Bailey, einer der größten Nonkonformisten an der Gitarre überhaupt. Bailey kennen eher wenige; auf welchen Eric sich das neue Gitarrentrio von Andreas Willers, Jan Roder und Christian Marien bezieht, ist dagegen kein großes Rätsel.

Derek Bailey und Eric Clapton - hier der abstrakt spielende Avantgardist, da der Saitenkünstler in Sachen Blues und Rock! Wie passt das zusammen, haben wir es doch mit zwei Künstlern zu tun, die bis auf das Instrument musikalisch kaum Gemeinsamkeiten haben? »Grandios«, antwortet die »Neue Zürcher Zeitung«. Willers, Roder und Marien sind gewieft genug, nicht gleich der ersten Idee zu folgen und Stücke des Einen und des Anderen zu nehmen und diese dann in den eigenen Interpretationen einfach gegenüberzustellen. Ihre Hommage arbeitet zwar auch dialektisch, aber das mit Hilfe von außen. Von Bailey und Clapton holen sie sich die Freiheit der Avantgarde und die improvisatorische Rockmusik der 1960er/1970er-Jahre, genauer: deren Haltungen; von Duke Ellington, Charles Mingus, Jack Bruce, Willie Dixon, Freddie King oder John McLaughlin nehmen sie Stücke und Anregungen und ergänzen diese mit eigenem Material.

Heraus kommt eine gitarristische Tour de Force, die Stilgrenzen schlicht pulverisiert, aber Stimmungen treffsicher einfängt. »Erfreulich ruppig, widerborstig und punkig«, urteilt der Musikpublizist Wolf Kampmann. »Ein völlig irres Klanggebräu«, meint sein Kollege Rolf Thomas.

»Rockmusik war in ihren Anfängen sowohl ein Experimentierfeld musikalischen Ausdrucks, u.a. aufgrund von neuen Klangmöglichkeiten und rhythmischer Auffassung, als auch zunehmend politisch-gesellschaftlicher Inhalte, häufig geprägt durch einen großen Improvisationsanteil (besonders live).
Auch in der Improvisierten Musik bzw. dem Free Jazz, der zeitgleich seine Entstehung hatte, handelte es sich um eine Art Bewegung mit gesellschaftlichen Bezügen. Im Vordergrund stand die explorative Auflösung hierarchischer Strukturen, die durch neue harmonische und rhythmische Konzepte möglich wurde.
Derek plays Eric ist die Verbindung dieser Haltungen, also eine Möglichkeit, die Elemente der freien Improvisation mit Elementen der Geschichte der Rockmusik zu verschmelzen ...«
Andreas Willers / Jan Roder / Christian Marien