Chadbourne & Sachse

Konzert #231 — Sonntag, 29. September 2019, 20 Uhr

Eugene Chadbourne - guitar, banjo, vocals
Helmut »Joe« Sachse - guitar

Wir müssen nicht gleich von einem Gipfeltreffen sprechen. Aber wenn sich zwei Altmeister schräger Gitarrenklänge zum ersten Mal zusammentun, um gemeinsam Konzerte zu geben, ist diese Premiere auf alle Fälle etwas sehr Besonderes. Eugene Chadbourne, geboren 1954 im US-Bundesstaat New York, und Helmut »Joe« Sachse, geboren 1948  im sächsischen Mittweida, haben sich endlich gefunden, und die, die mit beiden Namen etwas verbinden, ahnen schon, wohin die musikalische Reise gehen wird ...

Chadbournes Diskografie ist unüberschaubar, zumal es viele seiner Tonträger nur in Kleinstauflagen gibt. Chadbourne war Mitgründer des Hardcore-Trios Shockabilly und kooperierte später mit der Psychedelic-Folkrock-Band Camper Van Beethoven. Vor allem aber spielt er gerne alleine oder im Duoformat. Seine Soloalben »Songs« und »Strings« aus den 1990er-Jahren gelten als Meisterwerke. Nicht weniger großartig sind allerdings seine Duke Ellington und Albert Ayler gewidmeten Ensemble-Projekte. In Leer war der US-Musiker letztmalig 2007 in einer Band der Pianistin Aki Takase zu erleben; gefeiert wurde seinerzeit die Musik des großen Fats Waller.

Helmut »Joe« Sachse, der seine Gitarre gerne auch mal mit einem Schraubenzieher traktiert, gehört zu den Urgesteinen des freien Jazz in der DDR. In Leer erlebten wir ihn 2005 anlässlich des 100. Konzerts der Jazzreihe als Mitglied des Posaunen-Gitarren-Quartetts Doppelmoppel. Begeistern konnte er im Kulturspeicher außerdem mit Konzertprogrammen, die Jimi Hendrix bzw. den Beatles gewidmet waren.

Chadbourne und Sachse gemeinsam auf der Bühne, das heißt: sie werden stilistisch alles verwerten, was ihnen lieb und teuer ist - und sich dabei intensiv beschnuppern. Zu erwarten ist ein Duo, das sich frei improvisierend irgendwo zwischen Blues und Country, Free Jazz und Noise, zwischen Derek Bailey, Frank Zappa und Marc Ribot bewegt. Neben gemeinsamen Stücken sind auch Solonummern geplant. Und so wie Chadbourne obendrein sein Banjo herausholen und singen wird, wird Sachse vermutlich seinen Gitarrenkoffer als Perkussionsinstrument benutzen. Das Konzertpublikum wird Zeuge eines ungewöhnlichen künstlerischen Annäherungs- und Findungsprozesses.